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14. ITG - Fachtagung Mobilkommunikation 2009 : Technologien und Anwendungen
Günter Hüdepohl, Ralf Tönjes
Mit über dreieinhalb Milliarden Nutzern weltweit ist der digitale Mobilfunk die am schnellsten wachsende Technologie. Wie sich die Mobilkommunikationsnetze der nächsten Generation bei industriellen und privaten Nutzern darstellen, diskutierten Forscher, Entwickler und Anwender auf der diesjährigen ITG - Fachtagung Mobilkommunikation in Osnabrück. Das Spektrum der Themen aus dem Bereich der Mobilkommunikationsnetze und deren Anwendungen wurde in sieben Sitzungen eindrucksvoll präsentiert. Zudem fand während der zweitägigen Tagung eine Ausstellung mit Demonstrationen einiger aktueller Forschungsprojekte statt.
Die ITG-Fachtagung Mobilkommunikation findet jährlich im Mai statt. Sie ist eine Kooperationsveranstaltung der Informationstechnischen Gesellschaft im VDE (ITG), der Fachhochschule Osnabrück und des Bezirksvereins Osnabrück des VDE. Vor Ort organisierten Prof. Dr.-Ing. P. Roer, Prof. Dr.-Ing. R. Tönjes, Prof. Dr.-Ing. C. Westerkamp und Dipl-Ing.(FH) G. Hüdepohl der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der Fachhochschule Osnabrück diese Tagung.
In sieben Schwerpunktsitzungen mit über 20 Beiträgen stellten Hersteller, Netzbetreiber, Anwendungsentwickler und Hochschulen ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor und gaben Ausblicke für zukünftige Entwicklungen.
In der ersten Sitzung wurde die Frage gestellt, ob hohe Datenraten bei geringen Kosten für Funkzugangsnetze möglich sind. Ein Herstellervortrag zeigte, dass man mit HSPA (High Speed Packet Access) zukünftig Übertragungsraten von bis zu 25 Mbps erreicht und im Dual Carrier Mode sogar über 80 Mbps möglich sind. Weitere Themen waren das Zusammenwirken von Basisstationen im Uplink in zukünftigen zellularen Netzen und die optimierte Abstrahlung in Multizellen Szenarien. Ein Netzbetreiber erläuterte die Verfahren zur Verlegung von Glasfaser-Anschlussleitungen zu Antennen, die geschickt vorhandene Hochfrequenz-Koaxialkabel als Leerrohr nutzen.
Die nächste Sitzung befasste sich mit Sensornetzen und der Kontexterfassung. Ein innovativer Beitrag präsentierte ein Teilnehmer-Ortung-System durch Leckwellenleiter-Strukturen. Die Einbindung neuer Sensoren in die Netze soll zukünftig über die reine Ortsbestimmung hinausgehende Kontextinformationen liefern. Wie dies realisiert werden kann, zeigte eine Architektur für die Erfassung von Umgebungskontext und Kontextmanagement sowie ein Konzept für die Integration von Kontextmodellen für einen intelligenten Funknetzzugang. Ein Vortrag über die Einbindung von drahtlosen Peer-to-Peer Sensornetzen in vorhandenen Netzdiensten schloss die Sitzung ab.
In der dritten Sitzung behandelten drei Vorträge die Themen „Kontextsensitive Dienste und Selbstmanagement“, die für Netzbetreiber zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Beiträge stellten einen allgemeinen Daten-Rahmen für ein kontextbewusstes Routing und deren Einbindung in drahtlosen Sensornetzen vor und präsentierten den Entwurf einer Client-Middleware zur Unterstützung kontextsensitiver Dienste. Ein Beitrag aus der „Future Internet“ Arbeitsgruppe zeigte wie man nach heutigem Wissenstand ein In-Network-Management System konzipieren würde.
Der zweite Tag startete mit der Sitzung „Next Generation Networks“. Hier wurden Architekturkonzepte und eine Performance Bewertung von IPTV über Multicast in WLAN und LTE/UMTS vorgetragen. Weitere Themen waren die Gegenüberstellung und Anwendung verschiedener Testverfahren zur Sicherstellung der Interoperabilität von Netzelementen in Next Generation Networks und eine SOA-basierte Peer-to-Peer-Mehrwertdienstebereitstellung. Diese Sitzung endete mit einem Vortrag über den Einsatz des IMS (IP Multimedia Subsystem) im Home Entertainment.
Diensteplattformen standen im Mittelpunkt der 5. Sitzung. Ein Netzbetreiber gab einen interessanten Einblick über den Status und die Trends von Diensteplattformen aus seiner Sicht. Dann wurde die Frage beantwortet, was ein interaktives mobiles Fernsehen dem Nutzer bringt. Ein Problem für Multimedia-Dienste ist die Heterogenität der Endgeräte. Eine interessante Lösung stellen hier SVG (Scalable Vector Graphics) - basierte Softwareplattformen mit flexibler Logikanbindung dar. Wie in Zukunft die Diensteentwicklung vereinfacht werden kann, zeigte ein Service Creation Environment auf Basis wiederverwendbarer Kommunikationsbausteine.
Anschließend referierten zwei Vorträge über die Privatsphäre und die Telekommunikationsüberwachungsgesetze. Zuerst wurde ein Konzept zur Nutzung des elektronischer Personalausweises ePA für die Authentifizierung und Verschlüsselung von VoIP-Diensten gezeigt. Dann erläuterte ein regionaler Netzbetreiber die Konzeption und Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen Vorratsdatenspeicherung bei sich.
In der letzten und 7. Sitzung wurden Anwendungen aus der Praxis gezeigt, wie z. B. der Einsatz der Funktechnik in einem Nachschubsystem aus der Automobilindustrie. Der letzte Vortrag der Tagung präsentiere ein System zur professionellen Reportagen-Tonübertragung über UMTS.
Die diesjährige ITG - Fachtagung Mobilkommunikation besuchten über 50 Teilnehmer. Diese waren durchweg von der hohen Qualität der Beiträge angetan. Zudem wurde das breite Spektrum der Vorträge gelobt. So konnten sich die Teilnehmer auch einen guten Überblick über die aktuellen Technologien verschaffen, die nicht direkt zu ihrem Arbeitsfeld gehörten. Gerade hierdurch kam es immer wieder zu interessanten Fragen und Anregungen für Teilnehmer und Vortragende. Bei einem gemeinsamen Abendessen wurden die Gespräche vertieft und neue Kontakte geknüpft.
Die Fachvorträge wurden wieder im VDE VERLAG veröffentlicht ( ITG - Fachbericht 215). Die Präsentationen können von der Webseite www.mobilkomtagung.de heruntergeladen werden. Im nächsten Jahr wird die 15. Fachtagung Mobilkommunikation am 19. und 20 Mai 2010 wieder an der FH Osnabrück stattfinden.



